Die Gesellschaft Jesu – die Jesuiten

1534

Der heilige Ignatius von Loyola (1491–1556) gründete die Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, abgekürzt: SJ).

Die Gründung der Gesellschaft erfolgte in einer Zeit, in der die Kirche von den reformatorischen Bewegungen Luthers, Calvins und Zwinglis erschüttert wurde.

Während der Gegenreformation gewannen die Jesuiten großen Einfluss an Fürstenhöfen und unter den Eliten. Sie zeichneten sich durch ihr Bildungssystem aus, wirkten intensiv in der geistlichen Begleitung durch Predigt, Exerzitien sowie die Gründung von Bruderschaften und Kongregationen. In der Kunst förderten sie den neuen barocken Stil und entwickelten eine lebendige Theaterkultur, die im 17. Jahrhundert den Höhepunkt des europäischen Theaters erreichte. Zugleich machten sie sich als Missionare auf anderen Kontinenten einen Namen.

1540

Papst Paul III. genehmigte offiziell die Gründung der Gesellschaft Jesu.

Präsenz der Jesuiten in Mitteleuropa:

  • 1551 – Gründung des ersten Jesuitenkollegs in Österreich, in Wien.
  • 1573 – Gründung der Jesuitenresidenz in Graz.
  • 1596 – Vom Kolleg in Graz aus wurde das Jesuitenkolleg in Laibach (Ljubljana) gegründet.

Weitere Schulen entstanden in:
Klagenfurt (1605), Görz (1615), Triest (1619), Fiume/Rijeka (1627) und Marburg an der Drau (Maribor, 1757).

Päpstliche Dekrete und die Rückkehr der Jesuiten

21. Juli 1773

Papst Clemens XIV. hob mit dem Breve Dominus ac Redemptor Noster die Gesellschaft Jesu auf. In den habsburgischen Ländern wurde die Aufhebung von Kaiserin Maria Theresia verkündet. Dennoch unterstützte die Kaiserin weiterhin die jesuitischen Schulen und Seminare und ernannte ehemalige Jesuiten zu Lehrern.

Einige Ordensmitglieder verließen das Land – darunter auch der Laibacher Jesuit Gabriel Gruber (1740–1805), einer der bedeutendsten Ingenieure, Architekten und Mathematiker seiner Zeit in Slowenien. In Ljubljana leitete er unter anderem die Trockenlegung des Laibacher Moors und den Bau des nach ihm benannten Gruber-Kanals (Gruberjev prekop).

7. August 1814

Papst Pius VII. stellte die Gesellschaft Jesu mit der Bulle Sollicitudo omnium Ecclesiarum wieder her.

Zur Wiederherstellung trug auch Pater Gabriel Gruber bei, der nach der Aufhebung des Ordens nach Russland ging, wo die Jesuiten nicht verboten waren. Dort wurde er zeitweise sogar zum Generaloberen der Gesellschaft Jesu ernannt.

1870

Die Jesuiten kehrten als Leiter von Volksmissionen nach Slowenien zurück.

Da sie jedoch keine staatliche Genehmigung erhielten, mussten sie das Land drei Jahre später wieder verlassen.

Ab 1884 begannen sie als Hilfsprediger im Dom zu predigen.

1896 begannen sie mit dem Bau eines Hauses im heutigen Stadtteil Poljane, später folgten die Kirche St. Josef (1912–1921) und das Exerzitienhaus (1925).

1932 kehrten sie auch nach Marburg (Maribor) zurück, wurden dort jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von den deutschen Besatzern vertrieben.

1949 wurden ihre Besitztümer in Ljubljana enteignet, viele Jesuiten inhaftiert oder in die halbverfallene Burg Bogenšperk bei Litija verbannt.

Die Jesuiten ließen sich zuerst in Ljubljana nieder

1596

Erzherzog Ferdinand gründete das Jesuitenkolleg in Laibach. Es wurde als Erweiterung des Jesuitenkollegs in Graz errichtet.

1597

Im Januar kamen die ersten drei Jesuiten aus Graz nach Laibach. Es heißt, dass bereits der Laibacher Bischof Urban Textor (1543–1558) versucht hatte, den Orden einzuladen, doch erst durch die Bemühungen des Bischofs Janez Tavčar (1580–1597), der in seiner Jugend am Jesuitenkolleg in Wien studiert hatte, kam es zur endgültigen Ansiedlung.

Für den Bau des Kollegs erhielten die Jesuiten ein Grundstück neben der Jakobskirche, wo zuvor ein Augustinerkloster (1494–1555) bestanden hatte und später ein Hof- bzw. kaiserliches Spital (1555–1597) untergebracht war. Die alte Jakobskirche wurde teilweise instand gesetzt, die Gebäude des Spitals jedoch abgerissen. Da weiterer Raum benötigt wurde, musste der Abt des Zisterzienserklosters Kostanjevica na Krki den Jesuiten ein Klosterhaus neben der Kirche überlassen, und Bischof Janez Tavčar kaufte für sie zwei benachbarte Häuser. Darüber hinaus sollen sie bis zu dreißig weitere Häuser – meist aus Holz und bereits verlassen – selbst erworben haben.

Der Jesuitenkomplex wurde als einheitlicher Raum mit Kirche und Kolleg erbaut. Die Gebäude des Kollegs wurden in quadratischer Form angelegt. In der Mitte des Innenhofs befand sich eine Mauer, die den monastischen Kreuzgang auf der Ostseite vom Schulhof auf der Westseite trennte.

Heute

Heutige Präsenz der Jesuiten in Slowenien:

  • In Ljubljana–Dravlje, wo sich der Provinzsitz der Gesellschaft Jesu befindet;
  •  in der Jakobskirche (sv. Jakob) am Gornji trg, der ersten Jesuitenresidenz des Landes;
  •  in der Kirche St. Josef im Stadtteil Poljane, heute Sitz des Exerzitienzentrums;
  •  in Maribor, in der Kirche der heiligen Magdalena.

Die Jesuiten betreuen auch die Pfarren Radlje ob Dravi, Radenci, Muta, Pernice und Sv. Jernej nad Muto. Slowenische Jesuiten sind auch in Frankreich und Italien tätig und wirken als Missionare in Sambia und Malawi. Zwei von ihnen sind Mitglieder der Russischen Region der Gesellschaft Jesu, die der Nordpolnischen Provinz (RUS–PMA) angeschlossen ist.

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