
Professor am Jesuitenkolleg bei der Jakobskirche, 1769–1773
Gabriel Gruber wurde am 6. Mai 1740 in Wien geboren. Seine Eltern zogen von der kaiserlichen Hauptstadt nach Laibach und ließen sich in einem Haus in Rožna dolina nieder – dort, wo sich heute die Botschaft der Vereinigten Staaten befindet.
1755 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Seine Studien in Philosophie und Theologie absolvierte er in Wien. An der Orientalischen Akademie unterrichtete er Latein und Astronomie für Schiffer und Seefahrer. 1769 wurde er an das Jesuitenkolleg in Laibach entsandt. Dort lehrte er an der Lehrkanzel für Mechanik technisches Zeichnen, Geometrie, Mechanik und Hydraulik. Zu seinen Schülern gehörten Jurij Vega und Žiga Zois.
In jener Zeit förderte Kaiserin Maria Theresia tiefgreifende Reformen, auch im landwirtschaftlichen Bereich. In der Region des Laibacher Moores (Ljubljansko barje) versuchte man, Bauern zur Urbarmachung des Sumpfgebietes zu gewinnen. Dafür war eine systematische Trockenlegung erforderlich. In Laibach entstanden erste Vorschläge zur Bewältigung dieser Herausforderung, die ganz Krain betraf. Ziel war es, die Verbindung mit anderen Regionen zu verbessern, da das Moor die Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung blockierte. Es wurde ein staatlicher Fachmann gesucht, der ein solches Wasserbauprojekt leiten konnte.
So begann das Projekt zur Trockenlegung des Laibacher Moores. Gabriel Gruber, angesehener Fachmann und Leiter der Binnenschifffahrt in ganz Österreich (außer auf der Donau), begann 1772 mit dem Bau von Kanälen. Gleichzeitig errichtete er zwei Wohnhäuser für sich selbst: eines am Hang des Rožnik, das andere am Levestikplatz im Zentrum Laibachs. Doch die Kosten des Projekts stiegen kontinuierlich, und die Fortschritte blieben hinter den Erwartungen zurück. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und Widerstand konnte Gruber das Werk nicht vollenden. Der Ingenieur Vincenc Struppi führte die Arbeiten weiter und schloss sie 1782 ab. Der Kanal wurde zu Ehren Grubers benannt: Gruber-Kanal (Gruberjev prekop).
1784 reiste Gabriel Gruber nach Russland, zunächst nach Polock, dann nach Sankt Petersburg, wohin sich viele Jesuiten nach der Aufhebung des Ordens im Jahr 1773 geflüchtet hatten. Dort wurde er rasch als herausragender Fachmann anerkannt. Er unterrichtete Architektur, Mechanik und Physik am Jesuitenkolleg in Polock, wo er auch als Rektor und Provinzial der russischen Jesuitenprovinz wirkte. In Sankt Petersburg wurden mehrere Gebäude nach seinen Entwürfen erbaut. Er war ein bedeutender Ausbilder junger Ingenieure und erwarb mit der Zeit hohes Ansehen am russischen Kaiserhof – nicht nur als Techniker, sondern auch als Mentor bedeutender Persönlichkeiten, darunter sogar Lev Tolstoj.
Gabriel Gruber starb am 7. April 1805 bei einem Brand im Jesuitenkolleg in Sankt Petersburg, wo er auch bestattet wurde.
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